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Kompletträder kaufen: Vorteile gegenüber dem separaten Kauf von Reifen und Felgen

· Timo Wimmer
Kompletträder kaufen: Vorteile gegenüber dem separaten Kauf von Reifen und Felgen

Wer im Herbst zum Reifenhändler fährt und Winterreifen montieren lässt, zahlt jedes Mal für Demontage, Montage und Auswuchten – und das zweimal im Jahr. Wer dagegen auf Kompletträder setzt, kann den saisonalen Wechsel in der eigenen Einfahrt in zwanzig Minuten erledigen. Das ist der entscheidende Gedanke hinter dem Kauf eines kompletten Radsatzes: Reifen und Felge kommen bereits fertig montiert, ausgewuchtet und fahrbereit. Doch lohnt sich das wirklich? Und worauf sollte man beim Kauf achten?

Was ist ein Komplettrad – und was nicht?

Ein Komplettrad besteht aus einer Felge und einem darauf montierten, ausgewuchteten Reifen. Manche Angebote enthalten zusätzlich bereits montierte RDKS-Sensoren. Häufig werden Kompletträder als Vierer-Satz angeboten, der direkt aufgezogen werden kann.

Wichtig: Ein Komplettsatz ist nicht dasselbe wie ein Ersatzrad oder ein Notrad. Und er ist auch nicht einfach irgendeine Felge mit irgendeinem Reifen – bei seriösen Händlern ist die Kombination auf das jeweilige Fahrzeugmodell abgestimmt, inklusive korrekter Einpresstiefe (ET), Lochkreis (LK) und Lastindex.

Warum Kompletträder gegenüber dem separaten Kauf punkten

Kostenvorteil beim Reifenwechsel

Der offensichtlichste Vorteil liegt beim Wechsel. Wer Reifen und Felgen getrennt kauft, zahlt bei jedem Saisonwechsel Montage- und Wuchtkosten in der Werkstatt. Laut dem ADAC liegen die Kosten für einen kompletten Räderwechsel je nach Region und Werkstatt zwischen 60 und über 100 Euro. Wer Kompletträder besitzt, kann das Rad dagegen selbst schrauben – vorausgesetzt, man hat das nötige Werkzeug (Wagenheber, Radkreuz, Drehmomentschlüssel). Die Werkstatt braucht man nur noch für die Anzugskontrolle nach den ersten Kilometern.

Über einen Zeitraum von zehn Jahren summieren sich die eingesparten Wechselkosten leicht auf mehrere Hundert Euro. Der Mehrpreis für ein zweites Felgenset relativiert sich dadurch erheblich.

Schonung der Reifen

Bei Kompletträdern sitzt der Reifen dauerhaft auf der Felge – er wird nur einmal montiert und muss danach nie wieder auf- oder abgezogen werden. Das schont das Reifenmaterial, insbesondere die Flanke, und reduziert das Risiko von Beschädigungen beim Wechselvorgang.

Vereinfachter Saisonwechsel

Den Wechsel erledigt man in der Einfahrt selbst, ohne Termin und ohne Wartezeit. Gerade in der stressigen Hochsaison – wenn alle gleichzeitig Winterreifen brauchen – kann das ein echter Vorteil sein. Termine bei Werkstätten und Reifenhändlern sind in den Übergangswochen Oktober/November und März/April oft knapp.

Sicherheit durch geprüfte Kombination

Bei einem seriösen Komplettradsatz ist die Reifen-Felgen-Kombination bereits herstellerseitig auf Kompatibilität geprüft. Wer Reifen und Felgen separat kauft, muss selbst auf korrekte Passform achten – ein Fehler hier kann zu Unwuchten, erhöhtem Verschleiß oder schlimmstenfalls zu Sicherheitsproblemen führen.

Was beim Kauf zu beachten ist

Fahrzeugspezifische Passform

Die wichtigsten technischen Parameter sind:

  • Lochkreis (LK) – Anzahl der Schrauben und ihr Abstand
  • Einpresstiefe (ET) – bestimmt die Spurweite
  • Mittenloch – muss zum Nabendurchmesser des Fahrzeugs passen
  • Tragfähigkeit (Lastindex) und Geschwindigkeitsindex – dürfen die Herstellervorgaben nicht unterschreiten

Diese Daten finden sich in der Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) oder in der CoC-Bescheinigung des Fahrzeugs.

Stahl- oder Alufelge?

Für Winterkompletträder greifen viele Autofahrer zu Stahlfelgen – zu Recht. Sie sind robuster gegenüber Streusalz und mechanischen Belastungen, einfacher zu reparieren und günstiger. Alufelgen für den Winter sind optisch attraktiver, erfordern aber regelmäßige Pflege und sind anfälliger für Korrosion, wenn Beschichtungen beschädigt werden.

RDKS – nicht vergessen

Seit November 2014 ist ein Reifendruckkontrollsystem (RDKS) für alle neu zugelassenen Pkw in der EU Pflicht. Wer ein solches Fahrzeug besitzt und auf Kompletträder wechselt, muss entweder:

  • Kompletträder mit bereits integrierten RDKS-Sensoren kaufen, oder
  • die Sensoren aus den aktuellen Rädern ausbauen und in die neuen Räder einsetzen lassen (Werkstattarbeit).

Ein deaktiviertes oder fehlendes RDKS gilt laut DEKRA bei der Hauptuntersuchung als erheblicher Mangel. Das sollte man also nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Qualität der verbauten Reifen

Bei Billigangeboten lohnt ein genauer Blick auf den Reifenhersteller. Markenreifen bekannter Hersteller bieten im Regelfall deutlich bessere Bremswerte und Fahrstabilität als No-Name-Produkte. Wer bei Sicherheitskritischem spart, spart an der falschen Stelle.

Kompletträder richtig einlagern

Der zweite Satz Räder muss irgendwo hin – und die Lagerung ist entscheidend für die Lebensdauer.

Lagerungsort

Kühl, trocken und dunkel – das sind die drei Grundregeln. Direkte Sonneneinstrahlung, hohe Temperaturen und UV-Licht beschleunigen die Alterung der Gummimischung. Ein Keller oder eine Garage eignen sich gut; ein unbeheizter, trockener Raum ist ideal. Wichtig: kein Kontakt zu Öl, Kraftstoff oder chemischen Lösungsmitteln.

Liegende oder stehende Lagerung?

Hier gilt ein klarer Unterschied:

  • Kompletträder (mit Felge) sollten liegend gestapelt werden – maximal vier bis fünf übereinander, damit sich der unterste Reifen nicht verformt.
  • Reifen ohne Felge lagert man dagegen aufrecht stehend und dreht sie gelegentlich, um einseitigen Druck zu vermeiden.

Luftdruck und Markierung

Den Luftdruck vor der Einlagerung leicht erhöhen (um ca. 0,5 bar), da Reifen während der Lagerzeit Luft verlieren. Außerdem empfiehlt es sich, die Einbauposition zu markieren (VL = vorn links usw.), damit beim nächsten Wechsel die Rotationsregel beachtet werden kann. Der ADAC gibt hierzu detaillierte Hinweise zur richtigen Reifenlagerung.

Reifenbaum oder Einlagerungsservice

Wer keinen geeigneten Lagerplatz hat, kann auf einen professionellen Einlagerungsservice zurückgreifen. Viele Reifenhändler bieten das an – üblicherweise für 30 bis 70 Euro pro Saison, je nach Region und Umfang des Services.

Wann lohnt sich der separate Kauf?

Es gibt durchaus Fälle, in denen der getrennte Kauf sinnvoller ist: Wer eine spezielle Felge für sein Fahrzeug sucht, individuelle Optik möchte oder bestehende Felgen weiterverwenden will, kauft natürlich Reifen und Felgen separat. Auch bei älteren Fahrzeugen oder Fahrzeugen ohne RDKS-Pflicht entfällt ein potenzieller Komplikationsfaktor.

Für die meisten Autofahrer, die einfach zuverlässig und kostengünstig zwischen Sommer- und Winterbereifung wechseln wollen, bieten Kompletträder aber einen klaren Vorteil. Der Einstiegspreis ist höher – die Langzeitbilanz spricht jedoch oft für den Komplettsatz, besonders wenn man den Werkstattaufwand über viele Jahre einkalkuliert.