Reifen richtig einlagern: So halten Sommer- und Winterreifen länger
Zweimal im Jahr das gleiche Ritual: Reifen runter, Reifen rauf – und dazwischen irgendwo einlagern. Was viele Autofahrer dabei unterschätzen: Wie die Reifen die Monate in der Garage überstehen, entscheidet maßgeblich darüber, wie lange sie noch sicher genutzt werden können. Falsch gelagerte Reifen altern schneller, verlieren ihre Elastizität und können im schlimmsten Fall sicherheitsrelevante Schäden entwickeln, die von außen kaum sichtbar sind.
Vor der Einlagerung: Reifen gründlich vorbereiten
Bevor die Reifen für die nächste Saison verschwinden, lohnt sich eine kurze Inspektion. Felgen und Reifenflanken auf Beschädigungen prüfen, Fremdkörper aus dem Profil entfernen und den Reifendruck notieren. Gleichzeitig sollte man die Montageposition markieren – zum Beispiel mit einem wasserfesten Stift direkt auf der Reifenflanke (VL = vorne links, HR = hinten rechts, usw.). So kann man beim nächsten Wechsel gezielt rotieren und den Reifenverschleiß gleichmäßiger verteilen.
Dann kommt der oft übersprungene Schritt: Reifen und Felgen gründlich reinigen. Schmutz, Bremsstaub, Straßenschmiere und Öl greifen das Gummi über Monate an. Mit Wasser, einer weichen Bürste und mildem Reinigungsmittel lassen sich die Reifen gut säubern – und danach komplett trocknen lassen. Feuchtigkeit unter der Oberfläche begünstigt Schimmel an der Felge und beschleunigt die Alterung.
Die optimalen Lagerbedingungen
Gummi ist empfindlicher als es aussieht. Temperatur, Licht, Ozon und Feuchtigkeit sind die vier Hauptfeinde der Reifenstruktur – und alle lassen sich durch den richtigen Lagerort weitgehend kontrollieren.
Temperatur und Luftfeuchtigkeit
Ideal ist eine kühle, trockene Umgebung zwischen 0 °C und maximal 25 °C. Keller und ungeheizte Garagen sind typischerweise gut geeignet. Ein warmer Hauswirtschaftsraum oder eine vollsonnige Garage im Sommer hingegen sind ungünstig – Hitze macht das Gummi porös und beschleunigt die chemischen Alterungsprozesse deutlich. Staunässe und hohe Luftfeuchtigkeit sind ebenfalls zu vermeiden, da sie die Felgen angreifen und Schimmelbildung fördern.
Licht und Ozon
UV-Strahlung zersetzt die Polymerketten im Gummi – direkte Sonneneinstrahlung ist deshalb tabu. Reifen sollten lichtgeschützt gelagert werden, idealerweise in lichtundurchlässigen Kunststofftüten oder speziellen Reifensäcken. Auch Ozonquellen in der Nähe sind problematisch: Elektromotoren, Kompressoren oder Neonröhren erzeugen Ozon, das Gummi rissig macht. Wer solche Geräte in der Garage hat, sollte ausreichend Abstand halten.
Laut ADAC mögen Reifen es grundsätzlich kühl, trocken und dunkel – und sollten niemals mit Öl, Fett oder Lösungsmitteln in Berührung kommen.
Stehend oder liegend? Die Lagerposition macht einen Unterschied
Hier scheiden sich häufig die Geister – dabei ist die Antwort eindeutig abhängig davon, ob der Reifen auf einer Felge montiert ist oder nicht.
Reifen ohne Felge sollten senkrecht stehend gelagert werden. So verteilt sich das Eigengewicht gleichmäßig, und der Reifen verformt sich nicht. Wichtig: alle paar Monate um ca. 90 Grad drehen, damit das Gummi nicht einseitig belastet wird und Standschäden entstehen.
Kompletträder (Reifen auf Felge montiert) dürfen hingegen liegend gestapelt werden – maximal vier bis fünf Räder übereinander, damit der Stapel stabil bleibt und das unterste Rad nicht übermäßig gedrückt wird. Alternativ bieten sich Reifenregale oder Wandhalterungen an, die die Räder hängend aufnehmen. Das schont die Felgen und spart Stellfläche.
Luftdruck vor der Einlagerung anpassen
Ein häufig vergessener Punkt: Der Reifendruck sollte vor der Einlagerung um ca. 0,5 bar gegenüber der Herstellervorgabe erhöht werden. Das stabilisiert die Reifenstruktur und beugt Verformungen durch das Eigengewicht vor. Vor der nächsten Montage dann wieder auf den korrekten Wert absenken.
Wie lange sind eingelagerte Reifen noch sicher?
Auch im Regal altert Gummi – nur langsamer als unter Fahrbedingungen. Die Reifenalterung ist ein chemischer Prozess, der durch Oxidation, UV-Strahlung, Wärme und Ozon vorangetrieben wird und sich in Mikrorissen, porösem Gummi und nachlassender Haftung niederschlägt.
Als grober Richtwert gilt: Korrekt gelagerte Neureifen entsprechen auch nach fünf Jahren Lagerzeit noch in etwa einem Neuzustand. Nach acht bis zehn Jahren sollten Reifen jedoch unabhängig von der verbleibenden Profiltiefe ausgetauscht werden – das empfehlen sowohl der ADAC als auch Reifenhersteller wie Continental.
Das Herstellungsdatum lässt sich über die DOT-Nummer auf der Reifenflanke ablesen: Die letzten vier Ziffern geben Produktionswoche und -jahr an. Ein Reifen mit „2522" wurde beispielsweise in der 25. Kalenderwoche 2022 hergestellt.
Sichtprüfung vor jedem Aufziehen
Auch wenn die Lagerung vorbildlich war, gilt vor jedem Saisonwechsel: Reifen sorgfältig auf sichtbare Alterungszeichen prüfen. Feine Querrisse in den Profilrillen oder Flankenrisse sind ein klares Warnsignal. Ebenso Verformungen, Beulen oder Verhärtungen. Im Zweifel gilt: Reifen einer Fachwerkstatt zur Beurteilung vorlegen – das kostet wenig und kann im Ernstfall viel verhindern.
Reifeneinlagerungsservice als Alternative
Wer keinen geeigneten Lagerraum hat oder den Aufwand scheuen möchte, kann auf einen professionellen Einlagerungsservice zurückgreifen. Viele Reifenhändler und Werkstätten bieten das an – die Reifen werden fachgerecht gekennzeichnet, klimatisiert gelagert und im nächsten Frühjahr beziehungsweise Herbst direkt wieder montiert. Der Komfortvorteil liegt auf der Hand: keine Schlepperei, keine Sorge um Feuchtigkeit und Temperatur, und in der Regel auch eine professionelle Zustandsprüfung inklusive.
Laut Informationen von bussgeldkatalog.de ist das Reifenalter übrigens auch bei der Hauptuntersuchung relevant – Reifen, die deutliche Alterungsrisse zeigen, können zur Mängelnotierung führen, selbst wenn die Profiltiefe noch ausreichend ist.
Richtig eingelagerte Reifen fahren sicher in die nächste Saison. Der Aufwand ist gering, der Nutzen erheblich – sowohl für die Fahrsicherheit als auch für das Portemonnaie.