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Reifenwechsel selbst machen: Was ihr wirklich braucht

· Timo Wimmer
Reifenwechsel selbst machen: Was ihr wirklich braucht

Zweimal im Jahr dasselbe Ritual: Frühjahr und Herbst bringen den Saisonwechsel mit sich, und Millionen Autofahrer stehen vor der Frage – selbst machen oder in die Werkstatt? Wer die Umrüstung selbst in die Hand nimmt, spart Geld, ist unabhängig von Terminen und lernt dabei das eigene Fahrzeug besser kennen. Aber nur mit dem richtigen Werkzeug läuft es wirklich rund.

Vorbereitung: Bevor der erste Reifen runter kommt

Ein Reifenwechsel klingt einfach – und im Grunde ist er das auch. Trotzdem passieren die meisten Fehler nicht beim Schrauben selbst, sondern davor. Das Fahrzeug muss sicher stehen, die Räder müssen korrekt beschriftet und gelagert werden, und die Anzugsmomente der Radmuttern dürfen nicht dem Gefühl überlassen werden.

Zuerst die Basics:

  • Reifendruck prüfen (am besten bevor die Räder runterkommen)
  • Räder beschriften – welches Rad war vorne links, welches hinten rechts?
  • Drehmomentschlüssel bereitlegen – ein normaler Kreuzschlüssel reicht nicht
  • Untergrund prüfen – ebene, feste Fläche ist Pflicht

Den richtigen Anzugsmoment für die Radmuttern findet man im Fahrzeughandbuch. Meistens liegt er zwischen 100 und 130 Nm, bei manchen Fahrzeugen auch darüber. Wer ohne Drehmomentschlüssel festzieht, riskiert im besten Fall eine verbogene Bremsscheibe, im schlechtesten ein sich lösendes Rad.

Das Herzstück: Wie hebt man ein Auto sicher an?

Hier scheiden sich die Geister – und hier liegt auch der größte Kostenunterschied beim Selbermachen.

Wagenheber aus dem Bordwerkzeug

Der mitgelieferte Wagenheber ist für Notfälle gedacht, nicht für den routinemäßigen Saisonwechsel. Er ist langsam, die Standfläche ist minimal, und wer damit unter das Auto kriecht, handelt leichtsinnig. Für einen gelegentlichen Panneneinsatz am Straßenrand – okay. Für den Garageneinsatz zweimal pro Jahr – nein.

Hydraulischer Rangierwagenheber

Ein guter hydraulischer Rangierwagenheber (auch Flachbodenheber genannt) ist die häufigste Wahl für den Privatanwender. Günstige Modelle gibt es ab etwa 50 Euro, vernünftige Qualität beginnt bei 80 bis 120 Euro. Wichtig: Traglast und Hubhöhe müssen zum Fahrzeug passen – bei SUVs und Transporter reicht ein 2-Tonnen-Heber oft nicht.

Dazu kommen immer Unterstellböcke. Das Fahrzeug niemals nur auf dem Heber stehen lassen.

Hebebühne für die Heimgarage

Wer regelmäßig selbst schraubt – nicht nur Räder wechseln, sondern auch Bremsbeläge, Ölwechsel, Fahrwerksarbeiten – für den rechnet sich eine Hebebühne. Der Komfortgewinn ist enorm: das Fahrzeug steht sicher und auf Arbeitshöhe, man arbeitet aufrecht statt auf dem Boden liegend.

Scherenhebebühnen sind platzsparend und für Garagen geeignet, in denen eine Zweisäulenhebebühne nicht sinnvoll passt. Wer mehr Platz hat, ist mit einer klassischen Zweisäulenhebebühne besser bedient – sie gibt mehr Freiheit bei der Arbeit am Fahrzeug. Bei Anbietern für Hebebühnen und Werkstattausrüstung gibt es eine gute Auswahl verschiedener Hebebühnen-Typen für den Privatgebrauch und die kleine Werkstatt, vom kompakten Scherenheber bis zur vollwertigen KFZ-Hebebühne.

Schritt für Schritt: Der Wechsel selbst

  1. Fahrzeug auf ebenem Untergrund parken, Handbremse anziehen, Gang einlegen (oder Automatik auf P)
  2. Radmuttern leicht lösen, solange das Rad noch Bodenkontakt hat
  3. Fahrzeug an der vom Hersteller vorgesehenen Aufnahmestelle anheben
  4. Unterstellböcke setzen
  5. Radmuttern ganz lösen, Rad abnehmen
  6. Saisonreifen aufsetzen, Muttern mit der Hand anziehen
  7. Fahrzeug ablassen, Muttern über Kreuz mit Drehmomentschlüssel auf Sollwert anziehen
  8. Reifendruck kontrollieren und anpassen

Nach dem ersten Betrieb (etwa 50 km) empfiehlt es sich, die Anzugsmomente nochmals zu prüfen – Radmuttern können sich etwas setzen.

Lagerung der Saisonräder

Wer Komplettränder lagert (Reifen auf Felge), kann sie hängend oder stehend aufbewahren. Reifen ohne Felge sollten liegend gestapelt werden. Dunkel, kühl und möglichst fern von Elektromotoren – die erzeugen Ozon, der den Gummi angreift.

Reifenhotel ist eine Alternative, kostet aber. Für zwei Sätze Kompletträder braucht man in einer Garage nicht viel Platz, wenn man die Räder sauber übereinanderstapelt.

Wann lohnt sich der Profi-Besuch trotzdem?

Ein Reifenwechsel auf bereits montierten Felgen ist für jeden machbar. Anders sieht es beim Reifenwechsel auf der Felge aus – also wenn der Reifen selbst von der Felge muss. Das braucht eine Reifenmontiermaschine und einen Auswuchtcomputer. Hier ist die Werkstatt sinnvoller.

Außerdem: Wer nach dem Wechsel merkt, dass das Fahrzeug zieht oder das Lenkrad nicht mehr gerade steht, sollte eine Achsvermessung machen lassen. Das liegt nicht am Radwechsel selbst, zeigt aber, dass das Fahrwerk Aufmerksamkeit braucht.

Mit dem richtigen Equipment ist der Saisonwechsel in 30 bis 45 Minuten erledigt – ohne Werkstatttermin, ohne Wartezeit, und mit dem guten Gefühl, zu wissen, was am eigenen Auto passiert.