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Technische Informationen zu Reifen und Felgen: Was Autofahrer wissen müssen

· Timo Wimmer
Technische Informationen zu Reifen und Felgen: Was Autofahrer wissen müssen

Wer einen Reifen kaufen oder eine neue Felge montieren möchte, steht schnell vor einer Fülle an Zahlen, Buchstaben und Normbegriffen. Was bedeutet der Tragfähigkeitsindex? Ab wann braucht eine Felge eine Eintragung? Und warum ist der richtige Luftdruck wichtiger als viele denken? Diese Übersicht erklärt die wichtigsten technischen Kennwerte – praxisnah und ohne unnötigen Fachjargon.

Die Reifenbezeichnung lesen

Auf jeder Reifenflanke steht eine Zeichenkombination, die auf den ersten Blick kryptisch wirkt. Ein typisches Beispiel: 205/55 R16 91 H. Hinter diesen Angaben steckt eine genormte Beschreibung der Reifendimension und seiner Leistungsmerkmale.

  • 205 – Reifenbreite in Millimetern (Flanke zu Flanke)
  • 55 – Querschnittsverhältnis: Die Reifenhöhe beträgt 55 % der Breite
  • R – Radialreifen (Bauart der Karkasse, heute Standard bei Pkw)
  • 16 – Felgendurchmesser in Zoll
  • 91 – Tragfähigkeitsindex (Lastindex)
  • H – Geschwindigkeitssymbol

Ausführliche Erklärungen zu allen weiteren Aufdrucken – von DOT-Datum bis Verschleißanzeiger – bietet der ADAC in seiner Übersicht zur Reifenkennzeichnung.

Tragfähigkeitsindex (Lastindex)

Der Tragfähigkeitsindex, kurz LI oder Lastindex, ist eine der sicherheitsrelevantesten Angaben. Er gibt an, wie viel Kilogramm ein einzelner Reifen bei einem Luftdruck von 2,5 bar maximal tragen darf.

Ein LI von 91 entspricht 615 kg. Bei vier Reifen ergibt das zusammen 2.460 kg – also das zulässige Gesamtgewicht, das das Fahrwerk tragen kann. Die Angabe im Fahrzeugschein legt fest, welcher Mindestwert zulässig ist. Höhere Werte sind immer erlaubt, niedrigere dagegen nicht.

Einen guten Überblick über die Systematik hinter den Indexzahlen bietet der Wikipedia-Artikel zum Tragfähigkeitsindex, der auch die vollständige Tabelle enthält.

Warum der Lastindex bei SUVs besonders wichtig ist

Gerade bei schwereren Fahrzeugen – Kombis mit Anhängelast, SUVs, Transporter – wird der Lastindex häufig unterschätzt. Wer auf einen optisch ähnlichen Reifen mit niedrigerem LI wechselt, fährt technisch gesehen außerhalb der Freigabe. Im Schadensfall kann das versicherungsrechtliche Konsequenzen haben.

Geschwindigkeitssymbol

Der Buchstabe nach dem Lastindex gibt die maximale Dauergeschwindigkeit an, für die der Reifen freigegeben ist. Die Skala reicht von L (120 km/h) bis Y (über 300 km/h). Für den normalen Pkw-Bereich sind die Symbole H (210 km/h), V (240 km/h) und W (270 km/h) am gebräuchlichsten.

Auch hier gilt: Der im Fahrzeugschein eingetragene Wert ist die Untergrenze. Einen höher eingestuften Reifen zu montieren ist problemlos möglich – einen niedriger eingestuften dagegen nur unter bestimmten Bedingungen (z. B. mit einer eingetragenen Geschwindigkeitsbeschränkung im Fahrzeugschein).

Der ADAC erklärt das Geschwindigkeitssymbol inklusive der kompletten Buchstabentabelle.

Reifendruck: unterschätzt und häufig falsch

Der korrekte Luftdruck ist vielleicht der am meisten vernachlässigte Faktor in der Reifenpflege – und gleichzeitig einer der größten Einflussfaktoren auf Sicherheit, Fahrverhalten und Verschleiß.

Zu niedriger Luftdruck erhöht den Rollwiderstand, erzeugt Wärme im Reifen und kann zu gefährlicher Überhitzung führen. Zu hoher Luftdruck vermindert den Grip und lässt den Reifen in der Mitte stärker verschleißen.

Den richtigen Reifendruck findet man in der Tankklappe, auf einem Aufkleber in der Fahrertür oder in der Fahrzeugbetriebsanleitung – nie auf der Reifenflanke, denn dort steht der technisch maximal zulässige Wert, nicht der empfohlene Betriebsdruck.

Seit 2014 sind neue Pkw in der EU verpflichtend mit Reifendruckkontrollsystemen (RDKS) ausgestattet. Was das bei der Hauptuntersuchung bedeutet, erklärt DEKRA in einem Expertentipp.

Der ADAC empfiehlt, den Reifendruck mindestens monatlich zu prüfen – und immer bei kalten Reifen, da Wärme den Druck verfälscht.

Felgenbezeichnungen verstehen

Auch Felgen tragen eine genormte Bezeichnung. Ein Beispiel: 7J x 16 H2 ET38 5/108

  • 7 – Maulweite in Zoll (die nutzbare Breite des Felgenbetts)
  • J – Felgenhornprofil (Normkennbuchstabe für Pkw-Felgen)
  • 16 – Felgendurchmesser in Zoll
  • H2 – Hump-Ausführung (Sicherheitsbuckel, verhindert Reifensprung)
  • ET38 – Einpresstiefe in Millimetern
  • 5/108 – Lochkreis: 5 Schraubenlöcher, 108 mm Kreisdurchmesser

Einpresstiefe (ET-Wert)

Die Einpresstiefe beschreibt den Abstand zwischen der Felgenmitte und der Radauflagefläche (dem Bremsscheibensitz). Ein positiver ET-Wert bedeutet, dass die Auflagefläche nach außen versetzt ist – die Felge sitzt also tiefer im Radhaus. Ein negativer Wert rückt die Felge nach außen, was die Spurweite verbreitert.

Eine falsche Einpresstiefe kann dazu führen, dass die Felge an der Bremsanlage oder dem Radhaus schleift. Zulässige Abweichungen sind im Fahrzeugschein oder in der Betriebserlaubnis festgelegt.

Eintragungspflichten beim Felgenwechsel

Wer die Originalfelgen gegen Aftermarket-Räder tauscht, muss sicherstellen, dass die neuen Felgen für das Fahrzeug freigegeben sind. Es gibt drei mögliche Wege:

1. ABE (Allgemeine Betriebserlaubnis) Eine vom Kraftfahrt-Bundesamt erteilte Freigabe für bestimmte Fahrzeugtypen. Ist das eigene Fahrzeug in der Fahrzeugliste der Felge geführt, darf sie ohne TÜV-Abnahme gefahren werden. Die ABE-Dokumentation muss jedoch mitgeführt werden.

2. Teilegutachten Ein Sachverständigennachweis, der die technische Eignung für bestimmte Fahrzeuge bescheinigt. Hier ist jedoch immer eine Eintragung in die Fahrzeugpapiere durch einen Prüfingenieur notwendig.

3. Teiletypgenehmigung (TTG) Die TTG löst schrittweise die bisherigen ABEs und Teilegutachten ab. Sie basiert auf EU-weit einheitlichen Prüfstandards. Bestehende ABEs behalten bis zum 19. Juni 2028 ihre Gültigkeit.

Wer unsicher ist, ob seine Felgen eingetragen werden müssen, sollte sich an einen Sachverständigen (TÜV, DEKRA, GTÜ) wenden, bevor er fährt – nicht danach.

Reifen-Felgen-Kompatibilität: Was passt zusammen?

Nicht jeder Reifen passt auf jede Felge. Für jede Reifenbreite gibt es einen zulässigen Maulweitenbereich in Zoll. Ein Reifen der Breite 205 mm ist beispielsweise für Maulweiten zwischen 5,5 und 7,5 Zoll freigegeben – ein zu schmales oder zu breites Bett verändert das Reifenprofil und damit das Fahrverhalten erheblich.

Die genauen Freigaben lassen sich in normierten Reifenverträglichkeitstabellen nachschlagen, die von Reifenherstellern und dem deutschen Reifenverband dokumentiert werden.


Technische Kennwerte wirken auf den ersten Blick trocken, haben aber direkten Einfluss auf Sicherheit und Straßenzulassung. Wer die wichtigsten Angaben auf Reifen und Felgen versteht, trifft beim Kauf bessere Entscheidungen – und vermeidet böse Überraschungen beim nächsten Werkstatt- oder TÜV-Termin.