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Wie alt dürfen neue Reifen vom Händler sein? DOT-Datum und Reifenalter erklärt

· Timo Wimmer
Wie alt dürfen neue Reifen vom Händler sein? DOT-Datum und Reifenalter erklärt

Wer neue Reifen kauft, geht meist davon aus, frisch produzierte Ware zu bekommen. Tatsächlich können auch unbenutzte Reifen bereits einige Jahre auf dem Buckel haben – ob im Lager des Herstellers, beim Großhändler oder direkt beim Reifenhändler. Das ist nicht per se ein Problem, aber es lohnt sich zu wissen, wo die Grenzen liegen und worauf man beim Kauf achten sollte.

Was das DOT-Datum verrät – und wo man es findet

Jeder Reifen trägt an der Seitenwand eine Zeichenfolge, die mit „DOT" beginnt. DOT steht für Department of Transportation, die US-amerikanische Transportbehörde, die diesen Standard eingeführt hat – er gilt heute jedoch weltweit als Industrienorm.

Für das Herstellungsdatum relevant sind die letzten vier Ziffern dieser DOT-Nummer. Die ersten beiden stehen für die Produktionswoche, die letzten beiden für das Jahr. Ein Reifen mit dem Aufdruck 2324 wurde demnach in der 23. Kalenderwoche des Jahres 2024 hergestellt – also im Juni 2024.

Wichtig: Das DOT-Datum ist nicht immer auf beiden Reifenflanken eingeprägt. Häufig findet es sich nur auf einer Seite, manchmal sogar leicht versenkt und damit schwer lesbar. Es lohnt sich, mit einer Taschenlampe nachzuleuchten, bevor man einen Reifen montieren lässt.

Reifen vor 2000: Wer auf sehr alten Fahrzeugen oder Oldtimern unterwegs ist, sollte wissen, dass bis zum Jahr 1999 nur drei Ziffern verwendet wurden (z. B. „249" = 24. Woche, 1989). Ein kleines Dreieck hinter der Zahl kennzeichnete die 1990er Jahre.

Wie lange ist ein Reifen wirklich „neu"?

Hier stoßen viele Käufer auf eine überraschende Marktpraxis: Es gibt keine gesetzliche Vorschrift in Deutschland, die festlegt, wie alt ein als „neu" verkaufter Reifen maximal sein darf. Der Gesetzgeber reguliert für Pkw lediglich die Mindestprofiltiefe von 1,6 mm – nicht das Alter.

Der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. (BRV) hat jedoch eine Branchenempfehlung definiert:

  • Reifen bis 3 Jahre nach Herstellungsdatum gelten als fabrikneu
  • Reifen bis 5 Jahre können noch als neu verkauft werden

Das bedeutet: Ein Reifen mit einem DOT aus dem Jahr 2021, der heute (2026) als neu angeboten wird, liegt nach Branchenstandard genau an der Grenze. Fühlt sich komisch an? Ist es eigentlich auch.

Der ADAC empfiehlt als Faustregel, beim Neukauf keine Reifen zu akzeptieren, die älter als 2 Jahre sind. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte diesen Wunsch bereits bei der Bestellung kommunizieren – idealerweise schriftlich.

Warum Alter bei Reifen keine Kleinigkeit ist

Gummi altert – auch ohne Benutzung. Die Ursachen sind vielfältig: Sauerstoff, Wärme, UV-Strahlung und vor allem Ozon greifen die Polymerketten im Kautschuk an und lassen das Material verhärten und spröde werden. Diesen Prozess bezeichnet man als Ozonrissbildung, und er läuft selbst bei sachgerecht gelagerten Reifen im Dunkeln und bei moderaten Temperaturen kontinuierlich ab – nur langsamer.

Sichtbare und unsichtbare Alterungszeichen

Risse an der Reifenflanke oder zwischen den Profilblöcken sind das offensichtlichste Warnsignal. Aber: Ein gealteter Reifen muss optisch nicht auffallen. Die Verhärtung des Gummis geschieht schleichend und ist von außen nicht erkennbar. Sie zeigt sich erst in der Praxis – durch verschlechterte Haftung auf nasser Fahrbahn, längere Bremswege und ein verändertes Fahrverhalten.

Die Empfehlungen der Hersteller

Die meisten Reifenhersteller empfehlen, Reifen nach spätestens 6 Jahren zu ersetzen, unabhängig vom optischen Zustand oder verbleibender Profiltiefe. Als absolutes Maximum werden 10 Jahre genannt – danach sollten Reifen in jedem Fall ausgetauscht werden, auch wenn das Profil noch tief ist.

Eine gesetzliche Ausnahme gilt für Anhänger und Wohnwagen: Hier schreibt der Gesetzgeber vor, dass Reifen spätestens nach 6 Jahren zu erneuern sind.

Darf man als Käufer frisch produzierte Reifen verlangen?

Ja – und man sollte es tun. Es gibt zwar keinen gesetzlich verankerten Anspruch auf besonders frische Reifen, aber als Käufer hat man das Recht, das DOT-Datum zu prüfen, bevor die Reifen montiert werden. Seriöse Händler werden diesem Wunsch ohne Diskussion nachkommen.

Wer bereits montierte Reifen bezahlt hat und dann feststellt, dass das DOT-Datum älter als drei Jahre ist, kann unter Umständen Gewährleistungsrechte geltend machen. Nach § 434 BGB liegt ein Sachmangel vor, wenn eine Ware nicht der vereinbarten Beschaffenheit entspricht – und bei einem als „fabrikneu" deklarierten Reifen mit einem DOT-Datum von 2019 ließe sich durchaus argumentieren, dass diese Erwartung nicht erfüllt wurde. In solchen Fällen lohnt sich das Gespräch mit dem Händler – oder im Zweifel Beratung durch eine Verbraucherzentrale.

Praktische Tipps für den Reifenkauf

  • DOT vor der Montage prüfen: Lassen Sie sich den Reifen zeigen, bevor er montiert wird.
  • Maximales Alter festlegen: Vereinbaren Sie beim Kauf schriftlich, dass das DOT-Datum nicht älter als 2 Jahre sein darf.
  • Online-Kauf beachten: Beim Kauf über das Internet sind ältere Lagerbestände häufiger. Lieferanten geben das DOT-Datum manchmal gar nicht an.
  • Günstige Restposten kritisch betrachten: Besonders bei stark preisreduzierten Reifen lohnt ein genauer Blick auf das DOT-Datum.
  • Lagerung zu Hause: Eigene Sommer- oder Winterreifen sollten kühl, trocken und dunkel gelagert werden – am besten in Reifentüten, liegend und nicht gestapelt, wenn sie keine Felge haben.

Das DOT-Datum ist eine kleine Zahlenfolge mit großer Aussagekraft. Wer sie lesen kann und gezielt danach fragt, kauft nicht einfach „neu" – sondern wirklich frisch.


Quellen: