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Winterreifen, Sommerreifen oder Ganzjahresreifen: Was ist die richtige Wahl?

· Timo Wimmer
Winterreifen, Sommerreifen oder Ganzjahresreifen: Was ist die richtige Wahl?

Jedes Jahr, wenn die Temperaturen sinken, stellt sich für Millionen Autofahrer dieselbe Frage: Sind die richtigen Reifen drauf? Die Entscheidung zwischen Winterreifen, Sommerreifen und Ganzjahresreifen ist weit mehr als eine Frage des persönlichen Geschmacks – sie beeinflusst direkt Sicherheit, Bremsweg und Haftungsrisiko. Und mit dem wachsenden Angebot an Ganzjahresreifen ist die Lage für viele Fahrer nicht übersichtlicher geworden.

Die gesetzliche Lage in Deutschland

Zunächst das Wichtigste: Deutschland kennt keine kalendarische Winterreifenpflicht nach dem Motto „Oktober bis Ostern". Stattdessen gilt eine sogenannte situative Winterreifenpflicht nach § 2 Abs. 3a StVO. Das bedeutet: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte sind Winterreifen Pflicht – unabhängig vom Datum.

Eine weitere wichtige Änderung gilt seit Oktober 2024: Als Winterreifen anerkannt werden nur noch Reifen mit dem Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke). Reifen, die lediglich die Aufschrift „M+S" tragen, reichen nicht mehr aus. Das Bundesministerium für Verkehr informiert ausführlich über die geltenden Anforderungen. Wer mit ungeeigneten Reifen bei winterlichen Verhältnissen fährt, riskiert bis zu 120 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg.

Sommerreifen: Das Optimum für warme Monate

Sommerreifen sind für Temperaturen ab etwa 7 °C ausgelegt. Ihre Gummimischung bleibt in diesem Bereich formstabil und bietet kurze Bremswege auf trockener wie nasser Fahrbahn. Bei Hitze – etwa auf der Autobahn mit Vollbeladung im Urlaubsverkehr – spielen sie ihre Stärken voll aus.

Vorteile:

  • Kürzester Bremsweg im Sommer auf Nässe und Trockenheit
  • Geringerer Rollwiderstand → weniger Kraftstoffverbrauch
  • Höhere Laufleistung als Winter- oder Ganzjahresreifen
  • Besseres Handling bei sportlicher Fahrweise

Nachteile:

  • Bei Temperaturen unter 7 °C werden die Compounds zu hart – Grip und Bremsweg verschlechtern sich deutlich
  • Nicht zulässig bei winterlichen Straßenverhältnissen
  • Kosten für zweiten Reifensatz oder Einlagerung

Wer viel auf der Autobahn unterwegs ist, lange Strecken fährt oder in der warmen Jahreszeit ökonomisch und sicher fahren möchte, kommt an Sommerreifen kaum vorbei.

Winterreifen: Sicherheitsgarant bei Kälte und Schnee

Winterreifen sind in ihrer Gummimischung so konzipiert, dass sie auch bei tiefen Temperaturen weich und griffig bleiben. Lamellen im Profil erhöhen die Verzahnung mit Schnee und Matsch. Der Unterschied im Bremsweg gegenüber Sommerreifen bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt beträgt mehrere Fahrzeuglängen – das kann über einen Unfall entscheiden.

Der aktuelle ADAC Winterreifentest 2024 hat gezeigt, dass es erhebliche Unterschiede zwischen den Modellen gibt. Von 31 getesteten Reifen hat fast die Hälfte das Qualitätsniveau verfehlt – ein klares Argument dafür, beim Kauf nicht allein auf den Preis zu schauen.

Vorteile:

  • Maximale Sicherheit bei Schnee, Eis und Kälte
  • Pflicht bei winterlichen Straßenverhältnissen
  • Unverzichtbar in Mittelgebirgsregionen oder bei regelmäßigen Alpenüberquerungen

Nachteile:

  • Im Sommer längerer Bremsweg, höherer Kraftstoffverbrauch
  • Kosten für Lagerung oder zweiten Satz Felgen
  • Zweimal im Jahr Reifenwechsel nötig

Ganzjahresreifen: Komfort mit Abstrichen

Ganzjahresreifen – auch Allwetterreifen genannt – versprechen das Beste aus beiden Welten. Sie tragen das Alpine-Symbol und sind damit legal bei winterlichen Verhältnissen, funktionieren aber auch im Sommer brauchbar. Kein Wechsel, keine Einlagerung, kein zweiter Satz Felgen.

Klingt verlockend – und für viele Fahrer ist es das tatsächlich. Aber es gibt klare Grenzen.

Was der ADAC-Test 2025 zeigt

Beim ADAC Ganzjahresreifentest 2025 wurden 16 Modelle in der Größe 225/45 R17 geprüft. Nur vier erhielten die Note „gut", vier weitere galten sogar als Sicherheitsrisiko. Testsieger waren der Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 und der Continental AllSeasonContact 2 – beide mit der Gesamtnote 2,3. Auch die Stiftung Warentest kommt in ihrer Auswertung zu einem ähnlichen Schluss: Ganzjahresreifen können mit dedizierten Winterreifen nur bedingt mithalten.

Vorteile:

  • Kein zweimaliger Reifenwechsel pro Jahr
  • Keine Lagerkosten
  • Geringere Anschaffungskosten (ein statt zwei Reifensätze)
  • Flexibel bei unvorhersehbarem Wetter

Nachteile:

  • Im tiefen Winter schlechter als echte Winterreifen
  • Im Hochsommer schlechter als echte Sommerreifen
  • Höherer Verschleiß durch Ganzjahreseinsatz
  • Nicht jedes Modell ist wirklich allwettertauglich

Welcher Reifentyp passt zu welchem Fahrprofil?

Es gibt keine universelle Antwort – die richtige Wahl hängt von mehreren Faktoren ab.

Ganzjahresreifen empfehlen sich für:

  • Stadtfahrer mit wenigen Kilometern pro Jahr (unter 15.000 km)
  • Fahrer in milden Klimaregionen (Rheinebene, Tieflagen Norddeutschlands)
  • Zweitwagenbesitzer, die selten fahren
  • Fahrer ohne Möglichkeit zur Reifeneinlagerung

Sommer- und Winterreifen empfehlen sich für:

  • Vielfahrer (ab ca. 20.000 km/Jahr), da sich zwei Sätze langfristig lohnen
  • Fahrer in Mittelgebirgs- oder Alpenregionen mit verlässlichem Wintereinbruch – wie etwa im Landkreis Heilbronn, wo man schnell in Richtung Schwäbische Alb oder Schwarzwald unterwegs ist
  • Fahrer, die regelmäßig Alpenurlaub mit dem Auto machen
  • Sportwagen- oder Fahrerassistenten-sensible Fahrzeuge

Eine Faustregel als Orientierung:

Wer mehr als 20.000 Kilometer im Jahr fährt oder häufig unter anspruchsvollen Winterbedingungen unterwegs ist, fährt mit zwei separaten Reifensätzen langfristig günstiger und sicherer. Wer vorwiegend in der Stadt unterwegs ist und kaum Schnee erlebt, profitiert von der Bequemlichkeit eines guten Ganzjahresreifens.

Die Kostenfrage nüchtern betrachtet

Ein häufiges Argument für Ganzjahresreifen sind die Kosten. Tatsächlich entfällt der zweite Reifensatz sowie die zweimal jährliche Montage. Allerdings: Ganzjahresreifen verschleißen schneller, weil sie ganzjährig im Einsatz sind. Bei Vielfahrern relativiert sich der vermeintliche Kostenvorteil schnell.

Grob gerechnet:

  • Zwei dedizierte Sätze (Sommer + Winter) kosten in der Anschaffung mehr, halten dafür aber deutlich länger, weil sich der Verschleiß auf zwei Sätze verteilt.
  • Ein Ganzjahressatz ist günstiger in der Anschaffung, muss aber häufiger erneuert werden.

Der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk stellt nützliche Fachinformationen zur Reifenwahl bereit, die bei der Entscheidung helfen können.

Fazit

Winterreifen und Sommerreifen bleiben das sicherste System – insbesondere für alle, die viel fahren, in schneereichen Regionen wohnen oder keine Kompromisse beim Bremsweg eingehen wollen. Ganzjahresreifen sind eine sinnvolle Lösung für bestimmte Fahrprofile, aber kein Allheilmittel. Wer ein Top-Modell wählt und seine Erwartungen realistisch hält, kann damit gut fahren – buchstäblich.

Die Entscheidung sollte immer konkret auf den eigenen Alltag zugeschnitten sein: Wie viele Kilometer? Welche Region? Welches Fahrzeug? Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, kommt zur richtigen Wahl – und fährt damit sicherer.